27. Januar 2011

Design als Standpunkt

Einer interessanten Gegenüberstellung des Hamburger Designers und Dozenten für Informatik Buurmann folgend, zeigt sich der Unterschied von Wissenschaften und Gestaltungsdisziplinen an der Zielstellung:

Während die technischen Wissenschaften und vor allem die Naturwissenschaften auf Hypothesen und Theorien zielen, die an der Wahrheit und ihren regulativen Ideen orientiert sind, gilt für die Gestaltungsdisziplinen als oberste Richtschnur das technische Funktionieren, das in der Ästhetik seinen individuellen Ausdruck findet.

Die Unterscheidung ist allgemein anerkannt und führt zur Erkenntnis, dass Design einen Standpunkt vertritt, in dem etwas ästhetisch Wünschbares artikuliert wird, dessen Zielperspektive immer der Mensch mit seinen kognitiven, sozialen, emotionalen und sensorischen Fähigkeiten ist. Davon zu unterscheiden, legt Wissenschaft das Mögliche fest, in dessen Rahmen wir Wünsche entwickeln. Die Wissenchaft für sich genommen sei an „Wahrheit und regulativen Ideen interessiert“, allzu oft jedoch ohne einen eigenen Standpunkt zu definieren. So müssten sich die Wissenschaften heute die Frage gefallen lassen „für welche gesellschaftliche Zukunftsvision sie eintreten“. Ohne diesen Standpunkt wird es ihnen nicht gelingen, das Wissen in „alltagspraktische Produkte, Dienste und Erfahrungen“ zu überführen.

Damit gelangen wir zu einem interessanten Verständnis für den Begriff des Design Thinking. Design Thinking mag man verstehen als die Methode, mit der Intuition und analytisches/wissenschaftliches Wissen zu wünschbaren Produkten, Dienstleistungen und Erfahrungen überführt werden können. Sie definieren den Menschen als Ausgangspunkt aller Überlegungen. Design Thinking setzt ein Signal mit Folgen: Es zeigt, dass hier jemand zu einem Standpunkt gelangt ist, einen Weg eingeschlagen hat und sich über die Komplexität des Entwicklungsprozesses bewusst geworden ist. Mit einem Ausgangspunkt wie diesem bieten sich alle Chancen.