17. Januar 2011

Was tut ein Designer

Der Designer ist nicht an seiner Profession zu erkennen. Herbert Simon beschreibt, dass sich beispielsweise die Tätigkeiten eines Ingenieurs in der Erschaffung von etwas Künstlichem, des Architekten in der Bearbeitung von Formen, des Unternehmers in der Entwicklung eines Verkaufsplanes und des Politikers in der Gestaltung eines politischen Programms nicht fundamental unterscheiden. Sie alle mögen potenziell Designer sein, in dem was sie tun:

Everyone designs who devises courses of action aimed at changing existing situations into preferred ones. (Simon)

Designer verbindet vielmehr eine besondere Geistesgegenwart im Umgang mit neuen und damit einzigartigen Situationen. Dieser Umgang wird in Design Prozessen sichtbar. Herausgefordert, entwickelt der Designer auf Basis seiner Erfahrungen ein subjektives Verständnis für die Situation und beginnt in Schleifen agierend, verschiedene Phasen durchzuspielen. Er beobachtet und vergleicht mit vorherigen Erfahrungen, er bestimmt eine vorläufige Ausgangsfrage und entwickelt daraus mögliche Handlungsoptionen und deren Implikationen. Er geht zurück, um neue Optionen auszuloten, wiederum zu verwerfen und bei Bedarf die Ausgangsfrage umzuformulieren. Dann trifft er schließlich eine Entscheidung, wählt vorläufig einen Weg und setzt die Implikationen aus der Entscheidung als Ausgangssituation für weitere Optionen:

At some point he must move from a „what if“ to a decision, which then becomes a design node with binding implications for further moves. Thus there is a continually evolving system of implications within which the designer reflects-in-action. (Schön)

Bei Bedarf springt er zurück oder geht voran, entwickelt Prototypen und verwirft erneut einen Zwischenschritt. Und stets hält er inne, verlässt die Ebene der Operation und reflektiert sein eigenes Tun (reflection-in-action). Er beobachtet sich selbst, um auf neue Optionen zu schließen, die ihm andernfalls verborgen geblieben wären. Es ist ein ständiges Switchen zwischen Entscheidung und Reflektion, ein Hin- und Her Oszillieren zwischen den Ebenen. Wie selbstverständlich kommuniziert der Designer seine Entscheidungen im Team in dem er beschreibt und visualisiert. Er simuliert und handelt, ohne dabei auf eine klare Versuchsanordnung zurückzugreifen. Er agiert mit anderen, deren Rollen nicht durch Hierarchien festgelegt sind, sondern allein dadurch, wie sie selbst in der Lage sind, in Teams zu handeln und ihr eigenes Tun zu reflektieren.

Sein Tun ermöglicht es ihm, abseits linearer Problemlösungsprozesse neue Potenziale aufzudecken und Alternativen zu artikulieren, die ohne eine erhöhte Geistesgegenwart nicht zu finden sind:

They (designers) are likely to find new and unexpected meanings in the changes they produce and to redirect their moves in response to such discoveries. (Schön)