11. Dezember 2010

Wissensmanagement ohne Aktenschrank

Moderne IT-Infrastrukturen in den Unternehmen laden dazu ein, sie zu nutzen, und das möglichst exzessiv. Unter dem Begriff des Wissensmanagements haben sich viele Unternehmen in den Neunziger Jahrens quasi selbst dazu aufgefordert, Wissen elektronisch zu bearbeiten: Dokumentation, Verschlagwortung, Indexierung, Evaluation, Veröffentlichung. Das Konzept ging nicht auf:

So wenig (gleicht Wissensmanagement) einem Wissensschatz (…) wie die Kreation eines Meisterkochs dem bloßen Rezept. Die Annahme, dass es Wissen auf Abruf gibt, war der eigentliche Denkfehler des IT-getriebenen Wissensmanagements. (brand eins, 11/2010, Der verborgene Schatz).

Mittlerweile ist Ernüchterung eingetreten. Die Zumutungen im Umgang mit Wissen treffen nicht nur diejenigen, die das Wissen einzupflegen haben, sondern auch die Adressaten, denen es zur Verfügung gestellt wird. Das, was dort in den Aktenschränken und Datenbanken liegt und auf Vergessenheit wartet, ist möglicherweise nicht das Wissen, worauf es im entscheidenden Moment ankommt.

Nonaka und Takeuchi (1995) haben sich dem Begriff des impliziten Wissens angenommen, der Wissen beschreibt, das unbewusst vorhanden ist, das sich im Können und Handeln der Mitarbeiter andeutet. Sie sprechen von einem Prozess der Externalisierung, wenn es gelingt, dieses Wissen zu dokumentieren, zur Sprache zu bringen. Ich vermute, dass das zur Sprache bringen impliziten Wissens den entscheidenden Moment darstellt an dem sich erfolgreiches Wissensmanagement erkennen lässt.

Den Anreiz zur Externalisierung kann das Management setzen. Sie können Wissensträger dazu reizen, sich über ihr implizites Wissen bewusst zu werden, in dem sie Probleme oder Irritationen erzeugen, die nur mit Hilfe von implizitem Wissen gelöst werden können. Dazu müssen die Beteiligten eine gemeinsame Sprache und ein Verständnis von der Situation entwickeln. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie das gemeinsame Verständnis oder auch die gemeinsam erarbeiteten Lösungen dem gesamten Unternehmen zugänglich gemacht werden können.

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