21. September 2013

Multidisziplinäre Teams sind nicht die Lösung

Unternehmen setzen auf das Projekt. Darüber hoffen sie Agilität wiederzufinden, die ihnen während der Wachstumsphase abhanden gekommen sein mag. Idealerweise setzen sich solche Projekt aus multidisziplinären Teams zusammen, in denen Akteure mit möglichst unterschiedlichen soziodemographischen Eigenschaften eine hohe Diversität an Meinungen und Sichtweisen in ein Projekt einbringen, gewissermaßen um der Vielfalt, die in der Herausforderung mit Vielfalt, die sich in den Akteuren vereint, zu begegnen.

Wir wollen daran glauben, dass große Lösungen und geniale Gedanken entstehen, wenn beispielsweise ein indischer Sozialarbeiter, eine europäische Finanzwissenschaftlerin und ein amerikanischer Netzwerkmanager sich in einem Team mit den Herausforderungen sozialer Startups beschäftigen. Tatsächlich ist die Klassifizierung von Akteuren in der Teamarbeit nach soziodemographischen Eigenschaften eine sehr funktionale Sichtweise, die die Dynamik innerhalb des Teams ausblendet.

Die Teilnahme vieler Disziplinen und sozialer Millieus ist kein Ziel von Projektarbeit, sondern allenfalls ein möglicher Zwischenschritt, um eine möglichst hohe Diversität an Perspektiven zu gewinnen, die sich letztendlich bündeln lässt. Insofern sollten wir nicht multidisziplinäre Teamarbeit einfordern, sondern vielmehr multiperspektivische Teamarbeit. Perspektiven entfalten sich im Zusammenspiel der Akteure untereinander und mit Hinblick auf das Projekt. Sie sind keine Persönlichkeitsattribute von Menschen. Viel interessanter als die Einbettung eines möglichst diversen Pools aus sozialdemographischen Faktoren ist die umfassende Inklusion der Akteure innerhalb der Teamarbeit. Unterschiede in der Qualität der multiperspektivischen Teamarbeit zeigen sich dort, wo die Akteure verzichten, auf bestimmte Rollen reduziert zu werden und Aufgaben teilen, die nicht den Kern ihrer Expertise ausmachen. Dort, wo die Finanzwissenschaftlerin ebenso in der Befragung der Zielgruppen des Projekts, wie auch der Sozialarbeiter an der Gestaltung des Geschäftsplans eingebunden wird, entstehen multiperspektivische Räume, die den Umgang mit komplexen Herausforderungen gerecht werden können.

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