16. November 2011

Redundanz und Varietät

Mit der eingeführten Gegenüberstellung zum Lean Thinking verändert sich die Sichtweise auf das Design Thinking. Neue Begriffe drängen sich in die Diskussion, die bislang kaum mit dem Ansatz assoziiert wurden.

Da ist zum Einen Nonakas Begriff des Organizational Slacks, den Baecker einmal als Sinnüberschüsse einer Organisation umschrieben hat. Die Organisation produziert in der Regel mehr Kommunikationen, mehr Entscheidungen, mehr Informationen als notwendig, um den selbst zugewiesenen Leistungsanforderungen zu genügen. Diese Überschüsse seien notwendig, um bei unvorhergesehenen Veränderungen einen gewisse Spielraum bereitzustellen, gewissermaßen also Alternativen in petto zu halten, von denen man heute noch nicht weiß, wozu sie gut sein mögen.

Daran knüpft sich der in der systemischen Diskussion prominente Begriff der Varietät an. Varietät ist gegeben, wenn Organisationen zu Ergebnissen gelangen, die sich nicht durch andere Ergebnisse herleiten lassen.

Das Gegenteil von Varietät ist Redundanz. Nonaka erkennt hierin ein fundamentales Prinzip im Organisationsdesign japansicher Unternehmen:

The fundamental principle of organizational design at the Japanese companies I have studied is redundancy – the conscious overlapping of company information, business activities, and managerial responsibilities.

Es sind demnach die gleichen japanischen Unternehmen, die das Lean Thinking begründet haben, die sich bewusst Redundanz vorhalten, in dem sie die gleichen Kompetenzen mehrfach bereithalten und damit Absicherung schaffen. Dies wird zum Teil über internen Wettbewerb noch zusätzlich kultiviert, wie Nonaka zeigt.

Wir halten fest, dass sowohl Varietät wie auch Redundanz förderliche, höchstwahrscheinlich notwendige Kapazitäten oder Eigenschaften moderner Organisationen darstellen. Wir halten zudem fest, dass die im Lean Thinking ausgeblendete Seite der Unterscheidung, der Waste, nicht mit Redundanz zu verwechseln ist. Im Hinblick auf die Varietät drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass diese durchaus anfällig sein dürfte, in der Unterscheidung zum Waste erklärt zu werden.

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