25. Februar 2011

Die Schnittstelle

Design ist ubiquitär geworden. Alles will designt werden, insbesondere im Umfeld von Unternehmen. Es geht längst nicht mehr um die Verpackung, es geht um Strukturen, Prozesse, Erlebniswelten, innovative Services und immer mehr um die Schaffung einer besseren Welt. Beim Aufbruch in neue Gebiete treffen die Designer auf die Platzhirsche, z.B. dem Management in Unternehmen. Designer fühlen sich nicht selten ausgebremst.

Roger Martin, Dean an der Rotman School of Management, argumentiert, dass die Gründe hierfür in den unterschiedlichen Mindsets zwischen Design und Management zu finden sind. Generell scheinen Designer stärker dem intuitiven Denken anzuhängen: sie planen in Projekten, begeistern sich für sogenannte wicked problems und nehmen gegebene Einschränkungen als Herausforderungen wahr. Sie besitzen einen ästhetischen Standpunkt, der wie selbstverständlich nur eine subjektive Gültigkeit hat.

Manager auf der anderen Seite denken analytischer: Sie arbeiten an laufenden Aufgaben, sie verwalten, sie begeistern sich für reproduzierbare Ergebnisse, und projizieren Analysen über die Vergangenheit auf zukünftige Entwicklungen. Ihre Maxime ist Beständigkeit.

Man steht sich gegenüber, vermutet, dass man ohne die andere Seite nicht vorankommen wird, und dennoch bleibt eine Lücke, die sich nicht durch guten Willen schließen lässt. Martin plädiert dafür, dass beide Seiten die höchst unterschiedlichen Auffassungen der jeweils anderen Seite in ihre Überlegungen miteinbeziehen und entsprechend aufeinander abstimmen. Was zunächst banal aus Sicht der Theorie und naiv aus Sicht der Praktiker klingt, ist möglicherweise entscheidend, um zu einem besseren Verständnis darüber zu gelangen, was Design Thinking sein kann.

Design Thinking soll die Schnitstelle sein, die es braucht, um die kreativen Impulse in organisational verarbeitbare Formen zu gießen und damit Erneuerungspotenziale im Unternehmens zu schaffen. Design Thinking verlangt Reflexion und damit auch Artikulation des Designers gegenüber sich selbst und -warum nicht- dem Management. Darüber hinaus verlangt eine nutzerorientierte Sichtweise eine empirische Gültigkeit der Ausgangsfrage. Design Thinker synchronisieren möglicherweise ihren eigenen Standpunkt mit den Bedürfnissen der Nutzer. Die Notwendigkeit zu Veränderung lässt sich vor dem Management behaupten, sofern ein Nutzer dafür bürgen kann.

Design Thinking soll als Schnittstelle dazu beitragen, dass das Thema Design in modernen Organisationen keine Modeerscheinung bleibt, sondern eine nachhaltige Relevanz erzeugt. Dazu bedarf es zukünftig einem Verständnis darüber, wie die unterschiedlichen Mindsets, im Rahmen der Methode selbst, zueinander finden können.

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