14. Dezember 2010

Der Griff in den Mülleimer

Wir verstehen langsam, dass Unternehmen nicht zweckorientiert, sondern zwecksuchend agieren. Die irreführende Annahme,  das Unternehmen in erster Linie rationale, zielgeführte Syteme darstellen, deckt sich leider nicht mit Beobachtungen. Rational und zielführend würde bedeuten, dass Probleme beobachtet, dann dazu Informationen gesammelt, Lösungsstrategien entwickelt und in Abstimmung mit den bestmöglichen Techniken und Kompetenzen die erfolgsversprechendste Lösungsstrategie umgesetzt werden.

Cohen, March & Olsen beschrieben bereits 1972 ein realistischeres Bild vom Entscheidungsverhalten von Organisationen mit ihrem sogenannten Garbage-Can-Model. In Organisationen treffen eine Vielzahl von Informationen, Lösungsansätzen, Problemwahrnehmungen, Präferenzen der Zuständigen, unklaren Entscheidungstechniken und wechselnden Teamstrukturen aufeinander, gelegentlich kommt es dabei zu Interaktionen. Auf diese Weise entstehen Entscheidungsgelegenheiten, die wiederum dazu einladen, Entscheidungen zu treffen. Der Moment, in dem vereinzelte Strömungen zueinander finden, wird nur dann getrübt, wenn sich kein passendes Problem findet, auf dass die Entscheidungsgelegenheit Antworten finden könnte. Doch Probleme lassen sich glücklicherweise in vielfältiger Weise konstruieren und wahrnehmen; die nächste Krise steht eben immer vor der Tür.

Wie allen Organisationsformen liegt den Unternehmen daran, sowohl Probleme als auch Entscheidungsgelegenheiten herzustellen, um daraus Entscheidungen treffen zu können. Sie schaffen schließlich die Legitimation dafür, warum es Organisationen braucht, als Antworten auf den Umgang mit komplexen Problemen, die Personen untereinander nicht lösen könnten.

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